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  Foto: (C) Tim Reckmann; www.pixelio.de  

 

 

St. Peter und Paul in Hemer, 21.02.2016

Hier Teile des Gottesdienstes anhören...

 

Predigt zum Radiogottesdienst

Ab und zu bin ich in den Bergen, wie erst jetzt wieder beim Skifahren im Winterurlaub. Dabei fasziniert mich immer wieder die Aussicht von den Höhen auf die Landschaft; auf die Täler, auf die Dörfer und Städte, die verstreut unten liegen, auf die Straße, die sich den Berg raufwindet, auf die Wälder, Bäume und Sträucher. Von dort sieht alles ganz klein aus und es kommt mir so vor, als ob auch der Alltag ein bisschen weiter weg ist. Umgekehrt ist für manchen Gläubigen dort auch der Himmel ein Stück näher, und das heißt Gott näher, auch wenn er natürlich weiß, dass Gott überall ist.
Kein Wunder also, dass Berge in der Bibel immer mal wieder Orte der Gottesbegegnung sind: Ich denke da zum Beispiel an Mose, der auf dem Berg Sinai von Gott die Bundestafel und die 10 Gebote erhielt. Ich denke an Elija, der zuerst auf dem Berg Karmel im Streit mit den Baalspriestern die Macht Gottes erfährt, bevor er am Berg Horeb nach 40-tägiger Wüstenwanderung eine Gotteserscheinung im sanften leisen Säuseln des Windes hat. Ich stelle mir vor: Nach solchen Erfahrungen auf dem Berg wollen Mose und Elija gewiss so schnell nicht wieder hinunter.
Und genau so stelle ich mir vor, muss es Jesus auch gegangen sein, als er mit drei seiner Jünger auf den Berg stieg, wie gerade im Evangelium zu hören war. Einmal das Gewöhnliche, das Alltägliche hinter sich lassen, den Abstand zu allem suchen, um zu beten, um sich einfach bewusst in die Nähe Gottes, seines Vater zu stellen. Und als er das tut, passiert es: nicht er erfasst Gott, sondern er wird von der Herrlichkeit Gottes erfasst: Die Bibel sagt, sein Gewand wurde leuchtend weiß: D.h. die Herrlichkeit Gottes zeigt sich im Leuchten und Strahlen.

Mich wundert nicht, dass die zwei, die Gotteserfahrungen auf dem Berg gemacht haben, Mose und Elija, dass die genau an seiner Seite sind. Für jüdisch-gläubige Ohren stehen diese beiden für das Gesamt des Bundes Gottes mit den Menschen. Deshalb wird hier klar: Der Gott des ersten Bundes ist auch der Gott des Neuen Bundes.
Und etwas von dieser überwältigenden Erfahrung Gottes und seiner Herrlichkeit muss auch Petrus fasziniert haben, denn der war ja auch auf dem Berg zusammen mit Johannes und Jakobus und will nicht wieder runter, so schön muss es für ihn und die anderen gewesen sein.
Aber es ist wie im richtigen Leben: Dieser Moment, so schön er auch ist, er wird enden. Der graue Alltag wird alle wieder erfassen. Bereits im Gespräch Jesu mit Mose und Elija deutete es sich an: Hier wird schon das tödliche Ende Jesu zum Thema gemacht. Der Gang auf den Berg wird also für Jesus zum Höhepunkt, bevor es zum Tiefpunkt nach Jerusalem geht. Aber hier oben kann er noch einmal erleben, wie nah Gott ist, welche Herrlichkeit durch ihn aufleuchten kann. Ich stelle mir sogar vor, dass er erst in der Erfahrung dieser Nähe und Herrlichkeit die Kraft für seinen Leidensweg erhält. Und, kein Zufall, genau die drei Jünger Petrus, Johannes und Jakobus, die ihn auf den Berg begleiten, werden dann auch im Garten Getsemani bei ihm sein.
Auf so einen Berg möchte ich auch gerne mal steigen: Eben nicht nur der Aussicht wegen, sondern wegen der Erfahrung der Nähe Gottes. Aus dem Alltag aussteigen, das Verworrene hinter sich lassen, von oben alles neu in den Blick nehmen und sich erfassen lassen vom Strahlen Gottes, um Kraft zu schöpfen für die unvermeidlichen Tiefen des Lebens, die es auch für mich gibt. Ich frage mich: Klappt das nur bei Jesus selbst? Ist das für mich unmöglich? Ist das alles nur Illusion?
Als Jesus auf dem Berg ist, hört er die Stimme Gottes. Und diese Stimme wiederholt, was sie schon über ihn bei der Taufe gesprochen hat: Du bist mein geliebter Sohn. Diese Aussage ist die letzte Ursache für die enge Beziehung beider. Und es ist zugleich die allererste Voraussetzung für eine Gotteserfahrung, indem Gott den Anfang setzt.
Auch über uns Christen ist ja bei der Taufe genau das gesagt worden: Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter. Gott hat uns Christen also von Anfang an schon in seine Nähe gerufen, allein, wir nehmen es oft genug nicht wahr.
Wie könnten wir Christen denn Gottes Nähe und Herrlichkeit erfahren: Wie kann das jetzt und heute gelingen? Müssen wir dazu auf einen Berg steigen, alles hinter uns lassen?
Zunächst mal kann das heißen, sich an seine eigene Taufe zu erinnern. Sich zu erinnern: Da ist jemand, der mich bedingungslos liebt – ohne Wenn und Aber! Und wenn ich dieser Zusage Gottes traue: Was bewegt das eigentlich in mir? Was setzt es in meinem Leben frei?
Als Getaufter und Geliebter von Gott her heißt das dann für mich sich Zeit zu nehmen: Für Gebet, Bibel lesen, Gottesdienst, Betrachtung, Nachdenken. Dann steige ich sozusagen aus dem geschäftigen Alltag aus. Dann komme ich auf den Berg der Gottesnähe. Dann verklärt sich für mich nicht die Wirklichkeit, sondern in vielen Dingen klärt sie sich und führt zu neuen Wegen. Ich denke an die vielen, denen genau dabei aufgegangen ist, wie ihr Lebensweg weitergeht oder die dadurch auch die schweren Stunden ihres Lebens bewältigen konnten. Ja, erst durch diese Erfahrung bekommen Barmherzigkeit und Liebe, wenn sie geübt werden, ihre geistliche Tiefe. Denn dann klärt sich auch, warum ich Barmherzigkeit und Liebe übe.
Auf den Berg der Verklärung – besser: auf den Berg der Klärung zu steigen, die Nähe Gottes im eigenen Leben wirken zu lassen und sich auch einfach nur anstrahlen zu lassen von Gottes Herrlichkeit. Gerade jetzt in der österlichen Bußzeit ist eine gute Zeit dazu.
Klar: am Ende geht es wieder hinunter vom Berg, der Moment lässt sich nicht festhalten. Aber der Alltag wird hoffentlich dann anders: nicht einfacher, aber geklärter. Es bewahrt nicht vor Unglück und Leid, wie das Beispiel Jesu zeigt. Aber die gemachte Erfahrung und neue Erkenntnis bleiben.
Ich wünsche Ihnen immer wieder genau einen solchen Berg der Ver-Klärung in ihrem Leben.
  Ihr Pfarrer Martin Assauer Zum Seitenanfang
Kirche im WDR 5